Fast über den gesamten Küstenbereich der Deutschen Bucht – also von Dänemark bis zu den Niederlanden – erstreckt sich das weltweit größte zusammenhängende Wattenmeer-Gebiet. Es entstand erst vor ca. 8500 Jahren, als mit dem Ende der letzten Eiszeit vom Schmelzwasser gigantische Mengen Sand vor die Küste gespült wurden. Insgesamt ist es ein 450 Kilometer langer und bis zu 40 Kilometer breiter Streifen einzigartiger Natur. Allein der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (gegründet 1985) umfasst 4410 km2 – der mit Abstand größte Nationalpark Deutschlands.

Alles wird Flut…

Am besten kann man dieses riesige Naturwunder hautnah selbst erleben. Also Schuhe und Socken ausziehen, Hose hochkrempeln und rein in den Schlick! Aber halt: Ganz so einfach geht’s dann doch nicht. Denn Ebbe und Flut schaffen hier einen besonders extremen Lebensraum, der eine Wattwanderung schnell zur heiklen Angelegenheit werden lassen kann. Ist man erst einmal ein paar Kilometer von der Küste entfernt, steigt das Wasser im Ernstfall garantiert
schneller, als man laufen kann. Mindestens sollte man sich mit einem Gezeiten-Kalender und einer Uhr ausrüsten; auf größere Wanderungen begibt man sich
aber am besten immer in Begleitung eines erfahrenen Wattführers.

Ein Meer aus Stein und Algen: der Wattboden vor der Hallig Hooge

Noch mehr los als bei GOSCH!

Mit fachkundiger Unterstützung lässt sich das Öko-System Wattenmeer, zu dem auch Salzwiesen, Dünen, Strände, Mündungen und Geestkliffs gehören, viel
besser verstehen. Zum Beispiel, dass auf dem einen Quadratmeter Wattboden, der einem gerade durch die Zehen quillt, sich bereits Millionen von Kieselalgen, tausende kleine Krebse, Muscheln, Schnecken und Würmer tummeln. Das sind mehr Lebewesen als auf der gleichen Fläche in einem Urwald. Ein Grund dafür ist die zweimal täglich wiederkehrende Flut, die jedes Mal frische Roh- und Nährstoffe ins Watt spült.

Wachstums-Bereich

Das Nahrungsangebot, vergleichsweise warmes Wasser und der Schutz vor vielen Raubtieren machen das Wattenmeer zur idealen Kinderstube für viele Arten,
die sich hier mit etwas Glück beobachten lassen: Standfische wie Aalmutter, Sandgrundel und Seeskorpion sind ihr ganzes Leben hier – daher auch diese
Bezeichnung; die Jungtiere von z.B. Scholle, Seezunge, Hering verbringen nur die erste Lebensphase im Wattenmeer. Zahlreiche Seevögel wie die Küstenseeschwalbe, der Sandregenpfeifer oder der Austernfischer ziehen hier ihre Brut groß, andere Arten finden eine wichtige Zwischenstation auf ihren Wanderungen. Und – Pssst! – dort drüben auf der Sandbank sonnt sich das „Maskottchen“ des Wattenmeers: ein Seehund.

Die Megarippel vor Sylt

Pass auf, Mensch!

Es gehört sprichwörtlich zur Natur des Wattenmeers, dass es sich mit Ebbe, Flut, den Jahreszeiten, dem Wetter, dem natürlichen Salzgehalt und dem Lauf der Jahrhunderte ständig verändert. Darauf haben sich Flora und Fauna eingestellt. Intensive Fischerei, Wasserverschmutzung und Baumaßnahmen setzen diesem Lebensraum aber – trotz Schutzstatus – immer weiter zu. Viele Arten sind bedroht oder schon ganz verschwunden. Zu einer Erkundungstour durchs Watt gehört also auch immer eine große Portion Respekt und Rücksicht…

Weitere Informationen auf
www.nationalpark-wattenmeer.de
und www.schutzstation-wattenmeer.de.